Birnbaum, Feld und Luderbergl
1965, im Gründungsjahr unserer Skiabteilung, spielte sich „Wintersport“ nicht wie heute im Bayerischen Wald oder in den Alpen ab, sondern direkt vor der Haustüre - am Strobel- und Götzerberg oder am Luderbergl.
Während man heute die Schwierigkeit einer Abfahrt in Farben wie Rot, Blau und Schwarz misst, gab es zu dieser Zeit am Strobelberg nur einen „ersten“ bis „fünften“ Stock.
Und wer etwas auf sich hielt, für den war das heute schon legendäre „Feld“ die absolute Krönung skifahrerischen Könnens, häufig aber auch die bitterste Niederlage nach einem kapitalen Sturz.
Und: So manches Paar Skier fand dabei sein vorzeitiges „Ende“.
Eine tiefe Senke, direkt beim Haus der Familie Schöberl - heute würden wir dies als „Halfpipe“ bezeichnen, bescherte uns zusätzlich einige unfreiwillige, dafür aber kostenlose
„Flugstunden“.
Die Skier waren noch aus Vollholz mit aufgeschraubten Stahlkanten und hatten so bedeutungsvolle Namen wie „Alpenblitz“. Skistöcke bestanden nicht wie heute etwa aus Carbon sondern aus einem Bambusrohr mit Lederschlaufe und überdimensioniertem Teller.
Während heute High-Tech-Bindungen dafür sorgen, dass die Gefahr von Verletzungen minimiert wird, bestand zu der Zeit eine
„Sicherheitsbindung“ aus Gummistiefel, zwei Nummern größer als
benötigt, und einer Seilzugbindung.
Bei einem Sturz „befreite“ man sich von den Skiern dadurch, dass die Stiefel fest in der Bindung blieben und wir uns der Ski samt Gummistiefel entledigten - wenn auch unfreiwillig.
Doch schon damals gab es auch einige Kallmünzer, denen
das Skigebiet „Strobelberg“ zu klein und eng war.
Georg Vielwerth, Skifahrer der ersten Stunde in Kallmünz und Gründungsvater der Skiabteilung, unternahm damals mit der noch jungen Abteilung bereits Fahrten zum Großen Arber und nach Österreich (= sehr vielen Kallmünzern dürfte die Familie Schneeberger in Mayrhofen, Zillertal ein Begriff sein. Georg knüpfte hier die Bande die bis heute noch bestehen. Erst am 4. Advent letzten Jahres waren unsere Übungsleiter zur internen Einschulung bei Hertha und Walter Schneeberger zu Gast besser: Daheim im Zillertal).
Ich weiß noch, wie wir Kinder voller Bewunderung waren und nicht mehr aus dem Staunen heraus kamen als uns einmal Dieter Kapalla von einer Fahrt nach St. Englmar erzählte.
Da hörte ich zum ersten Mal, dass es dort Lifte?!? gab, mit denen man den Skihang hinauf fuhr und nicht wie wir zu Fuß hinauf steigen mußten.
Die Schlittenfahrer hatten am Strobelberg eine eigene Bahn. Es gab ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Schlittenfahrer nichts am Skihang zu suchen hatten und umgekehrt.
Birnbaum war „die“ Abfahrt und wer sich traute fuhr sie am Bauch liegend, das war das Nonplusultra. Wer es ohne Sturz schaffte und vor allen anderen unten ankam galt als etwas Besonderes.
Eine Mordsgaudi war es auch 8 - 10 Schlitten zusammenhängen und dann wie ein D-Zug hinunter zu rasen. Der eine oder andere kam indes manchmal unter die sprichwörtlichen Räder - oder besser „Kufen“.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie Klaus Prestel und Monika Mankus vom Millerschen Kinderheim gemeinsam auf einem Schlitten saßen und sich dann aus Unachtsamkeit in den Graben rechts der Schlittenbahn verabschiedeten.
Dies wäre weiter nicht schlimm gewesen, aber dort war alles mit Schlehenstauden verwachsen.
An das Gesicht kann ich mich noch allzu gut erinnern, als Klaus der vorne saß am nächsten Tag mit Pflastern übersät in die Schule kam und allen sein Missgeschick erzählen durfte.
So war Wintersport in Kallmünz vor 40 Jahren und so wie wir ihn heute kennen verdanken wir dem Engagement von Georg.