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"Drun’t in der schönen Wachau"
Eine weinselige Reise zwischen Grünem Veltliner und Wachau-Marathon
„Ja, Servus Walle (= alias Erich Laßleben jun.)“.
Dem so Angesprochenen blieb zunächst sprichwörtlich das Wort im Hals stecken als wir ihm mitten im malerischen Dürnstein unverhofft über den Weg liefen.
Was uns zuhause nie gelungen wäre schafften wir nun in der Wachau: Erich war zum ersten Mal sprachlos.
Dass wir mit Marathon angesichts unseres fortgeschrittenen Alters und zahlreicher orthopädischer Leiden nichts zu tun haben konnten war ihm sofort klar.
Blieb also nur ein anderes Motiv: Der Wein in Form des Grünen Veltliners, womit er ins Schwarze getroffen hatte. Nein nicht ganz, die Marille ist die heimliche Leidenschaft die uns immer wieder in die herrliche Wachau zieht.
Während „Walle“ wegen seines geplanten Halbmarathons die nächsten Tagen abstinent verbringen musste standen uns die Türen sämtlicher Buschenschänken und Heurigen offen – und die fielen sehr häufig hinter uns ins Schloss.
Für Rosalinde die Wachau wie das Paradies: Leichte Sommerweine hatte sie sich gewünscht. Hier gingen nun all ihre Wünsche in Erfüllung. Grüner Veltliner, Riesling, Gelber Muskateller und Zweigelt im Überfluss, dazu opulente Schinkenplatten, Brotaufstriche, Blunz’n (= panierte Blutwurst) mit lauwarmen Kartoffelsalat – der Herrgott musste sie erhört haben.
Und als höchste aller Wonnen: Wohnen bei der Winzerfamilie Schweighofer (= mit bestens gefülltem Weinklimaschrank) inmitten der berühmtesten Lagen der Wachau.
In Höchstform – ganz der Vater (= H.H.) - erlebten wir sie dann am Freitag zur Weinprobe. Franz, mit Schlüsselgewalt über den Weinklimaschrank, empfahl uns vorab als Vergleich eine Flasche unserer Vermieter: 2004er Riesling Smaragd.
Bei 26°C auf der Terrasse ein gut gekühlter Wein, kein schlechter Anfang für das was noch kommen sollte.
Grüner Veltliner Federspiel, Riesling vom Loibner Berg usw. Leider hatte der Winzer bei der Probe den obligatorischen Spucknapf vergessen und so mussten wir allen Wein trinken, denn wer mochte schon so „unhöflich“ sein und auf den Boden spucken - vor allem in einem Weinkeller!!!!
Die Treppe waren wir noch leichtfüßig hinunter geschwebt – hinauf dann plötzlich die doppelte Anzahl Stufen und einiges steiler!
Trotz allem gelang es dann doch, uns zum nächsten Heurigen vorzukämpfen wo wir langsam wieder festen Boden unter unseren Füßen fanden.
Alfred und Emma erlebten den Freitag zunächst wie Priester im Zölibat: Statt deftigster Jausen gab es zunächst nur Magerquark und das im September, wo doch die Fastenzeit eigentlich am Aschermittwoch beginnt und in der Osternacht endet.
Aber dauerhafter Widerstand war angesichts der Üppigkeit der Brotzeiten zwecklos.
Wie im Paradies bei Adam und Eva, nur in umgekehrter Folge, reichte nun die Schlange unserem Alfred ein Bratenfettbrot damit er seine Emma in Versuchung führe und diese in das Brot hineinbeißen solle.
Sogleich aber kam von selbiger der Ruf mit erhobenem Zeigefinger: „Alfred, versündige dich nicht“!
Am Samstag dann doch der große Sündenfall. Saures Rindfleisch mit Kernöl, Veltlinerbraten, Schmalzbrot – für Alfred gab es jetzt kein Halten mehr und der eine gültige Glaubenssatz für ihn hieß: „Brot und Schmalz, Gott mir erhalts“.
Schon bei der nachmittäglichen Probe des Marillenbrandes in Mitterarnsdorf erwies sich Alfred als geläutert: „Emma, kein Magerquark – heute wird gegessen. Den Quark kann sich meinetwegen der Kare an sein kaputtes Knie schmieren“! Sprach und ließ sogleich ein doppeltes Stamperl Marillenbrand als Tat folgen.
Ingrid und Ernst Hofmann hatten so ihre liebe Mühe. Dass wir alle an „seniler“ Bettflucht litten und morgens um 9:00 Uhr schon los wollten hatten sie nicht erwartet.
Eher aufstehen um diese Zeit und dann getreu nach Beckenbauerscher Manier: „Schau’n mer mal“ was der Tag bringt hatten sie sich vorgestellt.
Gottlob hatten sie noch einige Tage ohne uns gebucht, ansonsten hätten sie wohl anschließend Urlaub vom Urlaub gebraucht.
Phänomenal das „Gedächtnis“ mit dem sie ihre Zechen beim Heurigen notierten: Pro Tag ein Blatt DIN A4 und ein halber Bleistift.
Burgis, reich behangen mit Posamenten, kurz vor ihrer Ehrung durch den Fremdenverkehrsobmann: x-ter Urlaub in der Wachau, beide bald schon Inventar.
Beim Heurigen dann bricht bei Ingrid das alte Leiden wieder auf: Jedes Mal das Falsche bestellt und „überraschenderweise“ hatte Jürgen immer das auf dem Teller, was sie eigentlich wollte.
Ein Tipp: Lass Jürgen in Zukunft bestellen!
Am Samstag während die meisten in Spitz das Kaffeehaus aufsuchen, machen Diola, Ingrid, Jürgen und ich uns auf den Weg den Jauerling hinauf: Säfte kaufen!
Hier kommt Diola endlich zum Zug: Sortenrein gepresst „Boskop, Cox Orange usw.“ Nachdem wir bezahlt haben und einladen wollen wird Platz zum knappen Gut.
Auf dem Weg den Jauerling hinunter plötzlich ein scharfer Befehl von rechts hinten: „Stopp!!!! Dort steht ein Schwammerl direkt an der Böschung - eine Rotkappe. Und schau, da gleich noch eine“.
Mit fiebrig glänzenden Augen stürzt Ingrid hinaus in den Regen. Tatsächlich wachsen die Pilze hier sprichwörtlich wie die „Schwammerl“.
Einsatz für Jürgen. Mit Halbschuhen im Regen eine steile, rutschige Böschung hinauf – das war es, was er schon immer wollte.
Uns packt jetzt das „Schwammerlfieber“. Von einem Schwammerl zum anderen scheuchen und dirigieren wir Jürgen die Böschungen hinauf bis er sich letztendlich verweigert!
„Stoderer“ – zischen Ingrid und ich leise durch die Zähne, mit „der Qualifikation“ kann es ja nichts werden.
Alois und Elisabeth genießen in ihrer bekannt, ruhigen Art diese Tage, doch so manches Mal blitzt dann doch der Witz bei beiden.
Als wir am Sonntag nach einer traumhaften Wanderung durch die Weinberge zur Ruine Dürnstein wieder aufbrechen müssen, mag keiner so richtig die Heimreise antreten.
Ach ja, und „Walle“ – Der kämpfte, 21 km lang von Spitz nach Krems, mit der Frage ob er statt zu laufen sich nicht doch besser uns angeschlossen hätte.
Nun ja: Zig Gläser Marillenmarmelade, mehrere Pack Saumais’n sowie etliches an Wein und Säften werden uns über die Monate helfen bis wir wieder sagen können: Drun’t in der schönen Wachau.




























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